#imhalbschlaf 008
- Anton Adler

- 21. Juli 2023
- 2 Min. Lesezeit
Nacht Zug Politi

"Schaut nicht weg, wenn das Elend plagt. Seit Neustem mach' ich wieder Urlaub in Dänemark." So singt Alligatoah in seinem Lied "Denk an die Kinder" (ich glaube, mittlerweile ist euch klar, wer mein Lieblingskünstler ist). Nun, ich war da. Wir sind mit der ganzen Familie nach Kopenhagen gefahren. Die Meinung kann ich nicht teilen. Ich liebe die skandinavischen Länder, mit ihren Sprachen, mit den Menschen, mit ihrer entspannten und ruhigen Art zu leben. Kopenhagen hatte eine wunderschöne Architektur, die Stadt ist für Menschen gemacht; nicht für Autos.
Doch die Kolumne soll nicht davon handeln, sondern von der Fahrt dahin. Wir wollten umweltfreundlich reisen, nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Nachtzug. Von Nachtzügen habe ich nur Positives gehört. Und tatsächlich: Man fährt abends los und kommt morgens an. Die ganze Fahrt schläft man durch und kommt erholt an. Man hat den vollen Tag und muss aber keine weitere Nacht im Hotel bezahlen. Viel bequemer als Fliegen und günstiger noch dazu!
Hier kommt aber das Problem: Es ist nur günstiger, wenn man auf Schlafplätze verzichtet und Sitzplätze bucht. Für Erstere zahlt man nämlich einen massiven Aufschlag, da ist es fast schon günstiger, tatsächlich eine weitere Nacht im Hotel zu schlafen. Und auf den Sitzplätzen ist nicht viel mit schlafen, wie wir feststellen mussten. Das kann natürlich auch daran gelegen haben, dass wir aus irgendwelchen Gründen trotz EU und Schengen-Raum um zwei Uhr nachts von der dänischen Polizei geweckt wurden (sie wollen keine Flüchtlinge im Land oder so). Jedenfalls waren wir am nächsten Tag todmüde. Pflichtbewusst schleppten wir uns zwar von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, von der "bequemsten Art zu reisen" konnte aber definitiv keine Rede sein.
Worauf will ich damit jetzt eigentlich hinaus? Von Medien und Politik wird häufig suggeriert, wir könnten das Klima retten, ohne uns einschränken zu müssen. Umweltfreundliche Technologien und Alternativen würden sich immer schneller weiterentwickeln. Es sei ja viel günstiger, einfacher und bequemer, sich emissionsarm fortzubewegen, zu ernähren und zu konsumieren. Sich einzuschränken sei nicht notwendig. Dem ist leider nicht so. Natürlich kann Erfindergeist mit der Zeit dazu beitragen, aber erstens dauert es sehr lange und so viel Zeit haben wir nicht; und zweitens wird es immer Bereiche geben, in denen wir uns einschränken müssen. Das einzugestehen, wäre ein guter erster Schritt. Da schaue ich auch in Richtung der Politik.




Wir brauchen mehr Nacktzüge!