#imhalbschlaf 010
- Anton Adler

- 25. Aug. 2023
- 2 Min. Lesezeit
Name Herkunft Sprachen

Es gibt Menschen, die können einfach keine Stille ertragen. Man kann doch auch mal schweigend nebeneinandersitzen, nichts sagen. Doch die können das nicht. Und so füllen sie jede Redepause von mehr als wenigen Sekunden sofort. Egal was, Hauptsache es ist nicht still. Und da die Small-Talk-Themen irgendwann halt ausgehen, kommen schnell komische Fragen. Letztens entstand aus der Situation heraus aber eine, die fand ich dann doch recht interessant (Sonst würde ich ja keine Kolumne darüber schreiben, gell?).
Ich wurde gefragt, ob ich meinen Namen mochte und ob ich ihn ändern würde, wenn ich könnte. Ich habe vorher noch nie darüber nachgedacht. Namen von anderen habe ich schon eingeschätzt, aber der eigene? Er ist ja irgendwie gegeben, man hat eine neutrale Beziehung zu ihm.
Doch dann habe ich mal überlegt und kann nun sagen: Ja, ich mag ihn in der Tat. Zunächst einmal ist er schön international. Aus welchem Land komme ich? Das kann man nicht auf Anhieb sagen. Anton könnte in Deutschland oder Österreich geboren sein, genauso gut aber auch in einem slawischen oder skandinavischen Land. USA, Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland? Alles mit kleinen Abwandlungen möglich. Bei einem Rainer weiß man sofort, der kommt aus Deutschland. Mein Name ist eine Blackbox, er verrät nicht gleich zu viel.
Mir gefallen eigentlich seltene Namen, doch das ist immer ein schmaler Grat: Es gibt oft einen Grund, wieso sie selten sind. Ein Sohn von Elon Musk heißt zum Beispiel X AE A-XII (Wie wird das überhaupt ausgesprochen?). So würde ich jetzt nicht uuuunbedingt heißen wollen. Anton ist zwar auf der ganzen Welt verbreitet, aber gleichzeitig nirgendwo in den Top 10. Man kennt ihn, aber ich habe bis jetzt in meinem Leben maximal fünf andere Antons getroffen. Er ist eben irgendwo in der Mitte zwischen Sabine und Philomena.
Zuletzt wäre da noch die Aussprache. Die ist eindeutig. Niemandem musste ich je meinen Namen buchstabieren und nie hat jemand Anton falsch ausgesprochen. Kommt die Person aus einem anderen Land, wird sie vielleicht die Betonung anders setzen. Aber das wäre tatsächlich auch richtig (im Russischen heißt es z. B. Antón). Ich hatte zu Schulzeiten in meiner Klasse ein Mädchen, die Joceline hieß. Eigentlich ja ein ganz schöner Name. Doch das Erste, was sie tat, wenn wir einen neuen Lehrer oder eine neue Lehrerin bekamen, war zu sagen, man solle sie bitte einfach Josy nennen. Bis zum Abitur wurde ihr Name auf etwa 20 verschiedene Arten und Weisen ausgesprochen. Ist das J wie in Journalismus oder wie in Joghurt? Das c stimmhaft oder -los? Wird das letzte e gesprochen? Ich muss zugeben, liebe Josy, ich weiß es bis heute nicht.
Worauf wollte ich mit meinem ganzen Geschwafel eigentlich wieder hinaus? Vielleicht war ich ja doch etwas zu harsch mit meiner Kritik an den Leuten, die keine Stille ertragen. Stellt ruhig eure Fragen, vielleicht wird was Spannendes da rauskommen! Zumal ich selbst hier gerade derjenige bin, der ununterbrochen labert ...




Wusstet ihr, dass die meisten Menschen nur deshalb keine Stille ertragen können, weil sie als Kinder von ihren Eltern mit der Stille bestraft wurden? Sachen gibt’s