Was Monet nicht schadet ...
- Anton Adler

- 18. Nov. 2022
- 4 Min. Lesezeit
... hilft dem Eisbären aber auch nicht. Warum ich die jüngsten Aktionen der Klimaaktivist:innen für falsch halte.
Meine Position bezüglich des Klimawandels habe ich bereits in mehreren Artikeln deutlich gemacht. In Punkte für die Umwelt habe ich meine Idee eines Klimapunktesystems vorgestellt, um Umweltschäden bei jedem Produkt und jeder Dienstleistung deutlich zu machen und den Klimaschutz sozial gerechter zu gestalten. Und in Mit Regenschirm und Gummistiefel gegen den Tsunami habe ich geschrieben, wir müssten neben dem Umweltschutz auch Maßnahmen der Anpassung an das Klima betreiben, da sich der Klimawandel nicht mehr vollständig aufhalten lässt.
Gerade deshalb, weil der Klimawandel ein so wichtiges Thema ist, muss man an die Lösung des Problems mit kühlem Kopf angehen.
In den letzten Wochen haben Anhänger:innen der "Letzten Generation" mit verschiedenen Aktionen in Museen Aufsehen erregt. Sie bewarfen Gemälde mit Tomatensuppe oder Kartoffelbrei, klebten sich an Ausstellungsstücken fest und sprühten Farbe auf die Parteizentralen der Ampel-Parteien. Hinzu kamen die bereits seit längerer Zeit laufenden Straßenblockaden; gerade laufen Ermittlungen darüber, ob die Aktivist:innen das rechtzeitige Eintreffen eines Krankenwagens verhinderten, woraufhin eine Radfahrerin starb.
Der Klimawandel ist eines der wichtigsten Themen des 21. Jahrhunderts. Bereits 2050 werden große Teile der Erde aufgrund der zunehmenden Verwüstung unbewohnbar sein. Er wird nicht nur Auswirkungen auf Flora und Fauna haben, er bedroht real auch die Existenz unserer Zivilisation. Und gerade deshalb, weil das ein so wichtiges Thema ist, muss man an die Lösung des Problems mit kühlem Kopf angehen. Natürlich muss man alle Methoden in Betracht ziehen, wenn so vieles auf dem Spiel steht. Aber nur, wenn das dem Klima auch wirklich etwas bringt. Hier sind die Gründe, wieso ich denke, dass die Aktionen der Klimaaktivist:innen mehr schaden als helfen:
1. Die Aktionen verursachen einen unmittelbaren Umweltschaden.
So müssen zum Beispiel die Essens-, Farb- oder Klebereste aufwendig mit Chemikalien entfernt werden und in Staus emittieren Autos mehr Treibhausgase. Der Schaden ist selbstverständlich nur gering und wäre im globalen Maßstab zu vernachlässigen, wenn dafür mehr für den Klimaschutz getan werden würde. Schauen wir uns also die anderen Punkte an.
2. Ja, die Proteste erregen in der Tat viel Aufmerksamkeit. Aber für was eigentlich?
Laut Aussagen der Letzten Generation sei Aufmerksamkeit gar nicht das Ziel der Aktionen. Vielmehr ginge es darum, die Bundesregierung dazu zu verleiten, mehr für den Klimaschutz zu tun. Aber die Politik richtet sich bei Demonstrationen häufig an dem Widerhall dieser bei der Bevölkerung. Somit ist die gesellschaftliche Aufmerksamkeit doch am Ende wichtig. Ja, über die Proteste wird viel gesprochen, zahlreiche Medien berichten darüber. Aber worüber genau? Es geht meistens darum, ob etwas oder jemand zu Schaden gekommen ist und ob diese Aktionen eine legitime Form des Protests sind (so wie bei mir gerade). Das Klima an sich ist nur ein Randthema. Hinzu kommt der Effekt der Habituation. Je mehr solcher Aktionen stattfinden, desto mehr gewöhnen sich die Menschen daran. Entweder wird die Aufmerksamkeit langsam verblassen oder die Aktivist:innen müssten noch radikalere Formen des Protests wählen. Da sie sich aber jetzt schon im illegalen Rahmen bewegen, wäre das wohl kaum umsetzbar.
3. Am Ende müssen wir alle vom Klimaschutz überzeugen, solche Aktionen sind da nicht gerade förderlich.
Es wäre schön, wenn wir uns nicht mit den Menschen beschäftigen müssten, die strengere Klimaschutzmaßnahmen aus verschiedenen Gründen ablehnen. Dem ist aber leider nicht so. Der Klimawandel trifft Leute nicht individuell, je nachdem wie stark sie sich für das Klima einsetzen. Wir sitzen alle im selben Boot. Wir können die gesetzten Ziele also nur erreichen, wenn wir alle überzeugen können. Und nein, es ist nicht nur die Politik für den Klimaschutz verantwortlich. Am Ende ist es das Individuum, das sich entscheidet, ob es Fleisch isst oder nicht.
Und solche Proteste werden eher nicht die Menschen überzeugen. Vielmehr lenken sie vom eigentlichen Thema ab, dem Klimaschutz.
4. Es entsteht ein wirtschaftlicher Schaden.
Derzeit können Museen ihre Gemälde noch zu einem relativ günstigen Preis versichern, da Angriffe auf oder Diebstahl von Gemälden eine Seltenheit sind. Sollten die Aktionen allerdings fortgesetzt werden, werden die Versicherungen höhere Summen verlangen. Dazu kommen die speziellen Museumsgläser. Eines kostet zwischen ein paar Hundert und Zehntausend Euro.¹ Bisher wurden nur die kostbarsten Gemälde verglast. Werden die Museen alle Stücke schützen wollen, wird das ebenfalls schnell sehr teuer. Die meisten Museen sind öffentlich, werden also vom Staat finanziert. Muss dieser nun mehr in jene investieren, fehlt das Geld an anderer Stelle - zum Beispiel beim Klimaschutz.
5. Der Zusammenhang ist unklar.
Zu guter Letzt: Was hat jetzt eigentlich Monet damit zu tun? Er hat die Natur außerordentlich geschätzt. Zwei Aktivist:innen riefen während ihrer Aktion, den Menschen sei das Wohlergehen eines Kunstwerkes wichtiger als das Wohlergehen des Planeten. Das stimmt nicht. Wenn wir alle Kunst verbrennen müssten und dafür den Klimawandel aufhalten würden, wäre ich dafür. Nun ist dem aber nicht so. Die Gemälde haben nichts mit dem Klimawandel zu tun. Und so bleibt es eine sinnlose Zerstörung, die der Umwelt am Ende des Tages nichts bringt.
Greenwashing gibt es nicht nur bei Unternehmen, sondern bei jedem von uns zu uns selbst. Jeder sollte seinen eigenen Lebensstil unter die Lupe nehmen.
Zu einem demokratischen Diskurs zählen Demonstrationen natürlich dazu. Sachbeschädigungen jedoch nicht. Ich lehne Radikalismus grundsätzlich ab, da er gefährlich ist für eine Demokratie - egal ob er rechts, links oder wie in diesem Fall grün ist.
Nichtsdestotrotz habe ich aber auch Kritik an der Gegenseite zu äußern. Denn mit einem haben die Aktivist:innen recht: Politik, Unternehmen und Privathaushalte unternehmen tatsächlich zu wenig gegen den Klimawandel. Viele geben heutzutage an, auf die Umwelt zu achten. 2020 bezeichneten sich 55 % der Deutschen als Flexitarier:innen.² Tatsächlich sinkt der Fleischkonsum in Deutschland in den letzten Jahren; aber bei Weitem nicht so stark, wie diese Zahl hergeben sollte. Die Menschen lügen sich des guten Gewissens selber an und essen mehr als nur den sonntäglichen Braten. Greenwashing gibt es eben nicht nur bei Unternehmen, sondern bei jedem von uns zu uns selbst. Jeder sollte seinen eigenen Lebensstil unter die Lupe nehmen. Denn für den Klimaschutz zu sein ist einfach. Tatsächlich etwas zu tun, das gelingt bisher noch zu wenigen.
Quellen:
¹ Igel, Leon: Klimaaktivisten verunstalten Kunstwerke und nehmen Millionenschäden in Kauf. Die Versicherer bleiben entspannt. Was steckt dahinter?, in: Die Zeit, 03.11.2022, S. 23.
² Neukam, Sophie: Die Lügen der Fleischesser, in: Die Zeit, 06.10.2022, S. 30.



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