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Das ist mir zu Mitte

  • Autorenbild: Anton Adler
    Anton Adler
  • 5. Feb. 2021
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Okt. 2022

Links, Mitte oder Rechts? Jeder Politikinteressierte muss sich am Anfang dieser Grundsatzfrage stellen. Einmal entschieden, ist der Weg für einen wunderbar vorgegeben. Man kann sein Gehirn einfach abschalten und immer der Meinung seiner Ausrichtung folgen. Wieso wir aufhören sollten, in politischen Spektren zu denken.

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Hört man von einem fremden Politiker, lautet die erste Frage sofort, wie er politisch ausgerichtet ist. Dadurch entsteht bereits ein Bild im Kopf, welche politischen Ansichten er haben wird, was er für ein Mensch ist und ob er für die nächsten Wahlen für einen interessant werden könnte. Man braucht keine näheren Informationen, ein einfaches "rechts-konservativ" lässt vermuten, dass er gegen die Einreise von Flüchtlingen nach Deutschland, gegen den Bau von Windkraftanlagen und für die Abschaffung des Euros sein wird. Ist man selber links ausgerichtet, ist es gar nicht interessant, ob er am Ende wirklich diese Ansichten vertreten wird, im Kopf speichert sich von Anfang an ein abwertendes Bild gegenüber diesem Politiker ab.


Natürlich ist es sehr einfach, sich im Links-Rechts-Schema einzuordnen. Egal, um welches Thema es geht, die Meinung ist schon vorprogrammiert. Geht es um die EU, wird die linke Meinung sein, die Mitgliedstaaten müssten mehr Souveränität an die europäischen Organe abgeben und enger zusammenarbeiten; die Meinung der Mitte, es müsse alles so bleiben wie bisher und die rechte Meinung, Deutschland müsse aus der EU austreten. Man muss sich also gar keine Gedanken zu einem Thema mehr machen, man folgt einfach der Ansicht der Menschen, die seiner politischen Ausrichtung entsprechen. Dieses "Schubladendenken" grenzt uns aber sehr ein und leitet uns unbemerkt in Ansichten, die wir ohne es vielleicht nie vertreten würden.


Gibt es Alternativen? Ja! Zu jedem neuen Thema sammelt man Pro- und Kontra-Argumente, analysiert und bewertet sie, hört sich Expertenmeinungen an, diskutiert mit anderen Menschen darüber und bildet sich erst im Anschluss eine Meinung. Das ist selbstverständlich sehr zeitintensiv und viel komplizierter, als einfach immer der Meinung seiner Ausrichtung zu folgen. Möchte man aber wirklich eine fundierte Ansicht haben und ein mündiger Bürger sein, ist das die einzige Wahl.


Wenn ein "linker" Politiker also plötzlich eine "rechte" Meinung vertritt, dann ist er nicht zwangsweise ein Verräter an seinen Werten, sondern hat vielleicht die verschiedenen Standpunkte auf die Waage gelegt und verstanden, dass zu konkret DIESEM Thema DIESE Meinung für ihn die beste ist.


Sollte also das nächste Mal ein Politiker auftreten, der nicht der eigenen politischen Ausrichtung entspricht, sollte man nicht sagen: "Der ist Rechts, den höre ich mir erst gar nicht an", sondern ihm zuhören und seine Argumente mit den eigenen vergleichen. Ich kann persönlich von mir sagen, dass ich schon häufig meine Meinung gewechselt habe, nachdem ich mich intensiv mit einem Thema befasst habe.


Ihr werdet sagen, dass das Links-Rechts-Schema eh veraltet ist und es schon sehr viele andere moderne Modelle gibt, die die politischen Positionen einordnen. Doch wie alle anderen Modelle haben sie eines gemeinsam: Sie verallgemeinern. Für manche Zwecke, wie zur Veranschaulichung von bestimmten Sachverhalten, sind sie sehr gut geeignet, aber definitiv nicht, um sich eine fundierte Meinung zu bilden.


Somit mein Tipp an euch zum Schluss: Haftet euch nicht an eine politische Ausrichtung und glaubt nicht einfach einem Politiker, der "eurer" Ausrichtung entspricht. Ihr seid selber in der Lage, über ein Thema nachzudenken und eine Meinung zu bilden. Schließlich fahrt ihr auf einer Autobahn auch nicht immer nur auf einer Spur ...





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