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Der Ellenbogenkuss

  • Autorenbild: Anton Adler
    Anton Adler
  • 21. Apr. 2022
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Okt. 2022

Der klassische Handschlag ist out. Zu viele Viren werden dabei übertragen. So entwickelten unsere Politiker:innen in der Corona-Pandemie neue Formen der Begrüßung. Vom Ellenbogenkuss über dem Schuhe-Aneinander-Abklopfen bis hin zum Pobacken-Ren­dez­vous war da alles dabei. Das ist zwar kreativ, aber nicht wirklich angemessen.


Am ersten April wurden die meisten Corona-Verordnungen aufgehoben. So müssen zum Beispiel in den meisten Orten keine Masken mehr getragen werden. Jetzt also wieder zur Normalität zurückkehren? Puh, Normalität. Was war das jetzt nochmal? Wie verhält man sich denn "normal"? Zwei Jahre Ausnahmezustand gehen halt nicht spurlos vorbei. Ohne Maske fühlt sich fast an wie ohne Unterhose; als würden die Menschen um einen herum bereits durch den bloßen Anblick des unbedeckten Gesichts in die eigene Komfortzone eingreifen. Und so werden einige Gewohnheiten bleiben - gute sowie schlechte.


Gut sind zum Beispiel eben jene Masken. Ich war, soweit ich mich erinnern kann, seit Beginn der Pandemie kein einziges Mal richtig krank, nicht einmal erkältet. Da hat mit Sicherheit die Maske zu beigetragen. Sollte man also in Zukunft in der Erkältungszeit in einen vollen Bus mit Maske einsteigen, wird man wohl nicht mehr angeschaut wie das Ungeheuer von Loch Ness, persönlich hochgekommen, um Angst und Schrecken zu verbreiten.


Auch in den Schulen wird sich der hygienische Standard hoffentlich verbessern. Offenbar brauchte es erst Corona, um zu verstehen, dass es vielleicht doch nicht ganz normal ist, wenn 30 Schüler:innen mit laufenden Nasen auf engstem Raum beieinander sitzen und sich die Taschentücher teilen. Erkältete Schüler:innen sollten in Zukunft eine Maske in der Schule tragen - oder gleich von zu Hause aus lernen. Dafür müssten natürlich die Online-Angebote erhalten bleiben und ausgebaut werden.


Bei einigen Gewohnheiten wäre ich allerdings ganz froh, wenn sie wieder verschwinden würden. Und da fällt mir gleich der neuerliche "Kumpel-Handschlag" ein, den die Politiker:innen erfunden haben. Dazu werden einfach beliebige Körperteile aneinander geschmissen - manchmal sogar mehrere. So soll die Übertragung von Viren reduziert werden. Da stellt man sich doch der Frage, wieso sie sich nicht einfach auf die Lippen küssen. Bekanntlich hilft das zu diesem Zweck ja auch.


Wahrscheinlich wollen sie cool wirken, interessanter werden für die Jugend. Der Jugend würde es allerdings ausreichen, wenn man ihr zuhören würde. Dieser Schwanentanz alter Männer sieht hingegen einfach nur unseriös und lächerlich aus.


Was sollte man dann machen, um Infektionen zu vermeiden? Nun, in Ländern wie Japan oder Thailand ist es als Begrüßung üblich, sich voreinander zu verbeugen. Das zeigt dem Partner oder der Partnerin gegenüber Respekt und stellt beide auf eine Stufe. Somit bildet sich direkt auch eine gute Atmosphäre für die anschließenden Verhandlungen.


Bei uns ließe sich das aber kaum durchsetzen. Zumindest nicht, solange es solche Menschen gibt wie Donald Trump. Er war ja bekannt dafür, einen besonders festen Handschlag zu besitzen und die Hand des Gegenübers stets zu sich zu ziehen. Verbeugen und Respekt zeigen? Dem würde sein Ego nicht standhalten. Und so bleibt alles beim Alten: Die Verhandlungen gewinnt, wer stärker drückt - ganz wie in der Steinzeit.



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