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Ins Feuer mit deiner Meinung

  • Autorenbild: Anton Adler
    Anton Adler
  • 26. Nov. 2023
  • 2 Min. Lesezeit

Der Koran ist ein Märchenbuch. Doch verbrennen sollte man ihn trotzdem nicht.



brennendes Buch

Seit Monaten lenkt der Aktivist Salwan Momika durch Koranverbrennungen die Aufmerksamkeit auf sich. Er möchte damit seine Kritik am Islam zum Ausdruck bringen und dafür sorgen, dass dessen Heilige Schrift in Europa verboten wird. Die Kritik ist berechtigt, seine Methode aber nicht.


Die Meinungsfreiheit ist ein wichtiges Menschenrecht, ich würde sogar behaupten das wichtigste. Ist diese vollumfänglich gewährt, braucht es im Prinzip keine anderen mehr. Denn wenn ein Staat beispielsweise Folter durchführt, Journalist:innen aber frei darüber berichten können, wird er es wahrscheinlich früher oder später durch den öffentlichen Druck einstellen müssen. Aus diesem Grund zähle ich zu den Menschen, für die die Meinungsfreiheit beim Abwägen zwischen verschiedenen Grundrechten, wie etwa mit der Würde des Menschen, sehr weit oben liegt. Es müssen schon wirklich gute Argumente vorliegen, dass ich die Meinungsfreiheit unterordne. Doch es gibt eine Meinung, die ich nicht akzeptiere: dass die Meinung einer anderen Person weniger wert oder gar irrelevant sei.


Werfe ich den Koran ins Feuer, drücke ich damit quasi aus, die darin geschriebene Meinung sei unwichtig. Ich schalte sie stumm.

Auch ich kritisiere den Islam. Wobei sich meine Kritik nicht auf ihn beschränkt, sondern für alle Religionen gilt. Da man die jeweiligen Heiligen Schriften, sei es der Koran oder die Bibel, immer auslegen kann, wie es einem passt, werden sie seit Jahrtausenden als Rechtfertigung für allerlei Verbrechen verwendet. Frauen werden unterdrückt und Nicht-Gläubige "umerzogen". Auch bremsten die Zeiten, in denen Religion im Staat einen hohen Stellenwert einnahm, stets Forschung, Wissenschaft und Fortschritt aus.


Aus diesem Grund begrüße ich ausdrücklich die Kritik Momikas. Aber den Koran zu verbrennen? Nicht nur erinnern Bücherverbrennungen an die dunkelsten Zeiten unserer Geschichte. Werfe ich den Koran ins Feuer, drücke ich damit quasi aus, die darin geschriebene Meinung sei unwichtig. Ich schalte sie stumm. Denn das Buch trägt eine bestimmte Meinung in sich. Diese kann man nach dem Verbrennen nicht mehr lesen. Natürlich ist das nicht das einzige Exemplar, aber man muss das Ganze ja symbolisch verstehen.


Zumal die Muslim:innen, die man teilweise ja auch damit erreichen will, sich durch solche Aktionen nur in ihrem Glauben bestätigt fühlen und nichts als Hass gegen den Aktivisten verspüren. Auch wenn das deutlich anspruchsvoller ist: Man kommt an konstruktiven Argumenten in dieser, aber auch in allen anderen gesellschaftlichen und politischen Fragen, nicht vorbei.




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